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Phänomenologische Sprache in alten offenbarten Erzählungen

Deutsch > Forschungsbereiche > Biblische Theologie

P. Rüst (2007), MS, 2 S.; http://www.aneste.ch/files/Phaenomenol.pdf
Erweiterte Übersetzung von P. Rüst (2006), "Phenomenological Language in Ancient Revealed Narrative", Perspectives on Science and Christian Faith 58/2, 164-165;

Eine Antwort auf eine Kritik an P. Rüst (2005), "Dimensions of the Human Being and of Divine Action", Perspectives on Science and Christian Faith 57/3, 191-201, oder die erweiterte deutsche Übersetzung, P. Rüst (2006), "Dimensionen der menschlichen Natur und des göttlichen Wirkens", 16 S.

Es geht um die Definition des Begriffs der "Seele" in der Schöpfungsgeschichte.

Hauptpunkte:

Was sind die "Seelen" in 1.Mose 1,20 (manchmal übersetzt "Lebewesen")? Gehe ich zu weit, wenn ich daraus
Schlüsse ziehe über das Wesen der menschlichen "Seele"? Haben wir uns nicht auf die biblischen Zentralwahrheiten wie die Menschwerdung Christi zu beschränken? Doch sind sich die Bibel und die Naturwissenschaft nicht einig in ihrer Ablehnung eines Leib-Seele-Dualismus?

Ja, die Menschwerdung, Tod und Auferstehung Christi sind absolut einmalig. Trotzdem, dass Christus gewöhnliche menschliche Leib-Seele-Geist-Dimensionen angenommen hat, ergibt die Möglichkeit von Kreuz und Auferstehung, und damit für die Rechtfertigung aller Gläubigen und ihre Transformation zum ewigen Leben. Obwohl wir durch den Heiligen Geist einen Vorgeschmack davon erhalten, können wir uns hier noch kein Bild davon machen, was wir als mehrdimensionale Leib-Seele-Geist-Ewigkeits-Personen nach Christi Bild sein werden.

Eine christliche Hochzeit ist ein frohes Fest, das auf Gottes wundervoller Gabe der Ehe basiert. Diese zeigt in schönster Weise die 4 Dimensionen oder phänomenologischen Aspekte von Leib, Seele, Gottes Ebenbild und, für Christen, geistlichem Leben.

"Phänomenologisch" heisst "dem Aussehen entsprechend", oder "so, wie man es sieht". Eine ähnliche Bedeutung hat der Begriff "anthropomorph": "von menschlicher Gestalt", "dem Menschen angepasst", "dem Menschen angemessen" - oder für eine Sprechweise ganz einfach "allgemein verständlich".

- Ich sehe in 1.Mose 1 eine mit naturwissenschaftlicher Erkenntnis kompatible Schöpfungserzählung. Kritiker dieses Textverständnisses behaupten gewöhnlich, ein wörtliches Lesen des Textes würde der Wissenschaft widersprechen. Sie behaupten z.B., die Erschaffung der ersten "lebenden Seelen" (oder "Lebewesen") am 5. Tag ignoriere die früheren Wirbellosen, die Reihenfolge des Erscheinens der Vögel und der Landtiere sei falsch, weil die letzteren erst am 6. Tag erschaffen worden seien, usw.

- Sie missachten dabei eine echt wörtliche Lesung des Textes: man muss zuerst verstehen und ernst nehmen, was die ersten Leser unter diesen Wörtern oder Ausdrücken verstanden. Wenn die alten Hebräer den Begriff "lebende Seelen" auf Tiere beschränkten, die von blossem Auge sichtbar sind und sich schnell bewegen können, würde dies auch viele kambrische und ediacarische Wirbellose einschliessen, aber nicht alle. Dieser biblische Begriff der "lebenden Seelen" beinhaltet Lebewesen, die sich schnell bewegen. Sie müssen mindestens eine Blut- oder Hämolymphen-Zirkulation und ein genügend entwickeltes Nervensystem besitzen. Mangels einer entsprechenden wissenschaftlichen Bezeichnung nannte ich sie "höhere Tiere" (der heutige Begriffsinhalt dieser Bezeichnung ist zwar anders, aber ebenso ungenau). Die "Flugtiere" ("^of kanaf", wörtlich "Flieger - geflügelte") des 5. Tages waren natürlich nicht nur Vögel, sondern schlossen auch Insekten mit ein.

- Kritiker nehmen an, dass 1.Mose 1 von 24-stündigen "Tagen" spricht. Aber Zeitabschnitte unbestimmter Länge, die ineinander übergehen, stellen eine bessere phänomenologische Lesung dar. Jede an einem bestimmten "Tag" auftretende Neuigkeit würde natürlich während aller weiteren Epochen weiterbestehen. Die zeitliche Reihenfolge der "Tage" bezieht sich daher auf die jeweiligen ersten Geschöpfe der erwähnten Gruppen.

- Ein entscheidender Fehler ist zudem das Vorurteil, dass "Schöpfung" Evolution ausschliesse. "Erschaffen" (hebräisch "bara'") bezeichnet den Ursprung von etwas grundsätzlich Neuem, das vorher noch nie existiert hatte, während "machen" (hebräisch "^asa") und andere Ausdrucksweisen die Weiterentwicklung vorbestehender Dinge oder Geschöpfe beinhalten.

- Es wird oft behauptet, dass nur die Menschen, die ja in Gottes Bild erschaffenen wurden, eine Seele hätten. Diese Idee ignoriert den Unterschied zwischen "geistig" und "geistlich", zwischen dem Bilde Gottes, das allen Menschen gegeben wurde, und der Taufe mit dem Heiligen Geist, die nur denjenigen gegeben wird, welche Jesus persönlich als ihren Herrn annehmen (und die zu dieser Zeit wiedergeboren werden). Die Idee, dass nur Menschen eine Seele "haben", ignoriert auch die biblische Denkart, den Menschen als untrennbare Einheit aus Leib, Seele und Geist zu sehen. Der Mensch
hat nicht eine Seele, sondern ist (unter anderem) eine Seele.

- Die Auffassung, dass die "Seele" oder der "Geist" beim Tod vom Körper getrennt werde und dann in einen Zwischenzustand gelange, ist ebenso spekulativ und unbiblisch wie die Behauptung einer vererbbaren "Ursünde" oder "Erbsünde".

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Last updated Okt 17 2011 | paraske@aneste.ch

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