CreationEvolution


Go to content

Main menu:


Frühe Menschen, Adam, und biblische Inspiration

Deutsch > Forschungsbereiche > Genesis-Interpretation

P. Rüst (2007), 20 S.; http://www.aneste.ch/files/FrMenAdInsp.pdf
ursprünglich veröffentlicht durch das VBG-Institut, dort nicht mehr verfügbar
(erweiterte Übersetzung aus dem englischen
P. Rüst (2007), "Early Humans, Adam, and Inspiration", Perspectives on Science and Christian Faith 59/3, 182-193)

Zusammenfassung:

Die ersten elf Kapitel des ersten Mosebuches werden am häufigsten auf eine von zwei Arten gedeutet. Der Kurzzeitkreationismus nimmt für sich in Anspruch, diesen Text – als von Gott inspiriert – wörtlich zu nehmen, und interpretiert ihn als die Geschichte der ersten paar tausend Jahre der Existenz des Universums. Die historisch-kritische Quellenscheidung andererseits sieht darin eine Sammlung von Mythen, welche aus zeitgenössischen nahöstlichen Kulturen stammten. Danach bastelten sich die alten Hebräer daraus ihre vermeintliche Geschichte zusammen, und Gott liess sich dazu herunter, ihre mythologischen Irrtümer zu dulden, aber "durchbrach" diese Mythen so weit, dass sie schliesslich genügend monotheistisch übertüncht waren.

Die kurzzeitkreationistische Ansicht widerspricht der Naturwissenschaft, während die historischkritische Quellenscheidung willkürliche Textauslegung produziert und biblische Theologie verändert. Es ist aber durchaus möglich, aus diesem Dilemma auszubrechen und eine harmonische Deutung sowohl der biblischen als auch der wissenschaftlichen Fakten zu finden.

Wenn Adam nicht der erste im Bilde Gottes erschaffene Mensch war, kann er als ein realer Mensch verstanden werden, der nach der letzten Eiszeit im Land der Sumerer lebte. Er wurde von Gott berufen, um den Weg für den kommenden Messias zu bereiten, und wurde dann der repräsentative Typus der gefallenen Menschen, aller, die sowohl vor als auch nach seiner Zeit lebten.


Dies sind meine Grosseltern väterlicherseits. Mein Grossvater starb bevor ich geboren wurde, und meine Grossmutter als ich 4-jährig war. Sogar von unseren nächsten Vorfahren wissen wir kaum etwas. Für eine Tagung der weiteren Familie vor einiger Zeit wurde ein Stammbaum erstellt, der einige hundert Jahre zurückgeht, aber von den meisten dieser früheren Verwandten wissen wir gerade etwa, wann sie lebten. Wie steht es mit unseren Ahnen, die vor nur 500 Jahren (~20 Generationen) lebten? Jeder und jede von uns hat 4 Grosseltern, 8 Urgrosseltern,... 2^20 auf der 20. Ebene des Stammbaums, oder eine Million Namen (abgesehen von Mehrfacheinträgen wegen notwendiger Vernetzung jedes längeren Stammbaumes)!

Wie ist es, wenn wir bis zu Adam zurückgehen, der mehr als 10-mal früher lebte? Wir kennen ihn nur aus dem Genesisbuch, aber eine Kombination einiger Fachgebiete wie Paläontologie, Geologie, Genetik, Molekularbiologie beweist, dass es schon viel früher Menschen gab. Was ist dann mit Adam? Lebte er viel früher als wir dachten, oder braucht Genesis die hebräische Bezeichnung "^adam" (was "Mensch" oder "Menschheit" heisst) einfach metaphorisch, als Symbol für die ersten in Gottes Bild erschaffenen Menschen?

- Wer eine uneingeschränkte Inspiration (plenary inspiration) vertritt, wird oft fälschlicherweise beschuldigt, er vertrete eine Art von mechanischem Diktat durch Gott.

- Ein inspirierter Text muss... für alle Menschen aller Zeiten und aller Kulturen verständlich sein. Die kanonischen Texte sind im vollen Umfang als Gottes Offenbarung zu akzeptieren, und gleichzeitig ist jeglicher Widerspruch zur Realität zu vermeiden.

- Wenn Gottes Heilsgeschichte in der Bibel auf die Menschwerdung, den Tod und die Auferstehung des Gottessohnes als ihr Zentrum ausgerichtet ist, machen es die Zitate von Texten des AT im NT klar, dass viele Prophetien mehr als eine einzige Erfüllung haben, und daher mehr als eine einzige Interpretation bezüglich Gottes Offenbarungswillen "korrekt" sein kann.

- Die Information über Israels Gründerväter, die wir in Genesis 12-50 haben, muss durch Abraham und seine Nachkommen weitergegeben worden sein. ... Mindestens in den Grundzügen, wenn nicht gesamthaft, muss [Genesis 1-11] durch Abraham überliefert worden sein.

- Ein Ansatz, der sowohl theologisch als auch naturwissenschaftlich brauchbar ist, muss natürliche Vorgänge wie Evolution als schöpferische Werkzeuge in Gottes Hand ansehen. ... Alles, was geschieht, wird durch Gott getan, gleichgültig ob die Wissenschaft es untersuchen kann oder nicht. In diesem Sinn sind alle "natürlichen" Vorgänge Gottes Wirken.

- Ein hauptsächlicher Beweggrund dafür, dass Adam und Eva mit den ersten Menschen von Genesis 1 gleichgesetzt werden, scheint der Glaube an die "Erbsünde" zu sein.

- Beide Vorschläge, Adam früh und Adam spät, lösen scheinbar einige Probleme, aber beide stossen an andere an. ... Ich werde nun eine voll harmonische Interpretation vorschlagen. Drei Anforderungen muss sie erfüllen: (1)
Gottes Heilsplan steht im Zentrum ...; (2) Volle Inspiration ...; (3) Zuverlässige wissenschaftliche Befunde.

- Die ersten Menschen waren früh, und Adam muss spät angesetzt werden. Adam war nicht der erste im Bilde Gottes erschaffene Mensch. Genesis 1,26-31 beschreibt
nicht die gleichen Ereignisse wie Genesis 2,5-25.

- Sünde wurde möglich, als Menschen im Bilde Gottes erschaffen und damit Gott-bewusst, selbst-bewusst und entsprechend vor Gott verantwortlich wurden. So ist "durch
einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen", nämlich den ersten von diesen im Bilde Gottes erschaffenen Menschen, der sündigte (lange vor Adam).

Homepage | What's new? - Neu | Contents - Inhalt | English | Deutsch | Site Map


Last updated Okt 17 2011 | paraske@aneste.ch

Back to content | Back to main menu