Ein evolutionskritisches Lehrbuch - Creation and Evolution

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Ein evolutionskritisches Lehrbuch

Deutsch > Forschungsbereiche > Epistemologie

P. Rüst (2003), Texte aus dem VBG-Institut 2/03, 4 S.;
http://www.aneste.ch/files/JunkScher.pdf

Ursprünglich auf dem Web publiziert im VBG-Institut, dort nicht mehr verfügbar.

Buchbesprechung:

Reinhard Junker, Siegfried Scherer
Evolution - ein kritisches Lehrbuch

(Weyel Lehrmittelverlag, Giessen: 2001, 328 Seiten, ISBN 3-921046-10-6)

1. Didaktischer Aspekt
2. Wissenschaftlicher Aspekt
3. Deutungsmodelle aus weltanschaulicher Sicht
4. Das Kurzzeitmodell kritisch getestet
- 4.1. Theologische Fragen
- 4.2. Astronomische, geologische und verschiedene radiometrische
Datierungsmethoden
- 4.3. Seit neuester Zeit verfügbare Genomsequenzen

Hemberg SG (945 m) im Toggenburg, Schweiz: abendlicher doppelter Regenbogen, Blick nach Südosten auf Hochalp (1528 m)

- Die Autoren sind Mitarbeiter von "Wort und Wissen", einer evangelikalen Studiengemeinschaft, welche die "Schöpfungslehre" als eine Alternative zur "Evolutionslehre" vertritt. Prof. Scherer ist Direktor des Mikrobiologischen Instituts der Technischen Universität München.

- Das Hauptanliegen des Buches ist es, die weithin unbekannten Deutungsprobleme und offenen Fragen der Evolutionstheorie gründlich zu behandeln und zu zeigen, dass Evolution nicht als "bewiesenes Faktum" gelten könne. Trotz mancher Vorzüge macht das Buch einen zwiespältigen Eindruck. Dabei geht es nicht so sehr um das, was es aussagt, als vielmehr um das, was darin nicht gesagt wird.

- Das letzte Kapitel ist ausdrücklich der "Schöpfungslehre" gewidmet, und vereinzelte weitere Aussagen weisen in derselben Richtung. Mit Ausnahme dieser Passagen sind die meisten der aufgegriffenen Themen sehr gut und wissenschaftlich zuverlässig behandelt, insbesondere das hervorragende Kapitel über die Fossiliendokumentation zur Entstehung der Menschheit (von Sigrid Hartwig-Scherer). Aber es fehlt am Überblick über die Gesamtzusammenhänge innerhalb der Geschichte des Lebens.

- "Schöpfungsmodell" und "Evolutionsmodell" werden nicht nur als alternative Deutungsmöglichkeiten hingestellt, sondern als logisch einzige Möglichkeiten, ja sogar als erkenntnistheoretisch gleichberechtigt - mit dem Hinweis, von beiden könnten testbare Schlussfolgerungen abgeleitet werden. Dabei wird das "Schöpfungsmodell" diskussionslos als kurzzeitkreationistisch angenommen. Das Buch betrachtet einzig die Kurzzeit-"Schöpfungslehre" als legitimes Schöpfungsmodell. Dies ist eindeutig irreführend.

- Das Buch erwähnt zwar einige testbare Fragestellungen, welche dieses Kurzzeitmodell eventuell stützen könnten, nennt aber keine testbaren Kriterien, welche es allenfalls widerlegen könnten.

- Es gibt aber alternative Lösungsansätze, welche ein hohes Alter der Erde und des Lebens akzeptieren, und es gibt Deutungen, welche Schöpfung durch Evolution annehmen. Solche Deutungen brauchen keineswegs die biblischen Texte historisch-kritisch umzudeuten und Mythen daraus zu machen, wie es die liberale Theologie tut. Dies beweist, dass die Kurzzeitdeutung nicht nur unnötig ist, sondern auch theologisch keinen Sinn macht.

- Die astronomischen, geologischen und verschiedenen radiometrischen Datierungsmethoden ergeben ein übereinstimmendes Gesamtbild. Sie müssten behandelt werden. Die Autoren weichen hier aus. Dies wurde auch von bibelgläubigen Wissenschaftlern ausführlich nachgewiesen. Ihre Besprechung hätte wohl für die Akzeptanz dieses Buches verheerende Folgen. Die "Kurzzeit-Schöpfungslehre" ist durch die stimmige Gesamheit dieser Datierungen definitiv widerlegt.

- Die seit neuester Zeit verfügbaren Genomsequenzen haben Beweise für eine gemeinsame biologische Abstammung von Mensch und Tier geliefert, die kaum mehr mit gutem Gewissen angezweifelt werden können. Es sind genetische Fehler, die mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit auftreten, deren Position aber genau bestimmt werden kann. Wenn sie in verschiedenen Abstammungslinien an identischer Stelle vorkommen, müssen diese Organismen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Die historische Frage, ob sie von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen, ist dabei unabhängig von der kausalen Frage, welche Mechanismen diese Evolution verursacht haben könnten.

Weshalb gibt es einen Regenbogen? Natürlich weil das Sonnenlicht sich in den Wassertröpfchen in der Atmosphäre bricht und in sein Spektrum aufteilt. Richtig? Ja. - Natürlich weil Gott zu Noah sagte: "Meinen Bogen setze ich in die Wolken, und er sei das Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde" (1.Mose 9:13). Falsch? Nein, ebenso richtig!

Eine natürliche Erklärung kann einer theologischen Erklärung nicht widersprechen, denn Gott ist sowohl der Schöpfer als auch der Autor seiner Offenbarung. Gleiches gilt für Evolution und
Schöpfung.

Der Kurzzeitkreationismus macht daraus einen Widerspruch: entweder Schöpfung oder
Evolution; beides könne nicht wahr sein.

Diese Behauptung wird meist auf einseitige Interpretation vereinzelter Bibelstellen gestützt, wie z.B. das Bruchstück aus Römer 5,12, "
wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist,..." Es wird daraus geschlossen, der Tod könne nicht vor der Sünde Adams existiert haben. Also könne auch die ganze voradamitische Geschichte des Lebens auf der Erde nicht länger als höchstens einige Tage gewesen sein.

Während Junker genau so argumentiert (vgl. seine Dissertation "Leben durch Sterben?"), gibt Scherer zu, dass die Frage der Datierungen für ihn noch ein ungelöstes Problem sei, das er als Nichtphysiker nicht definitiv beurteilen könne.

Dass sich die Kurzzeitkreationisten damit in einen unlösbaren Konflikt mit der gesamten wissenschaftlichen Forschung begeben, muss sowohl ihnen selbst als auch allen Wissenschaftlern klar sein. Daraus resultiert die tragische Situation, dass die Bibel missverstanden, ignoriert, und oft auch verachtet wird. Dies wäre wirklich nicht nötig! Die Kurzzeitkreationisten torpedieren damit ihr eigenes aufrichtiges Anliegen, die Menschen zu Jesus als ihrem Erlöser zu führen.

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